Dr. Kohl und Mr. Helmut - oder: positive Macken für Marken gesucht!
Dr. Kohl und Mr. Helmut - oder: positive Macken für Marken gesucht!
12.07.2005

Ähnlich wie in der berühmten Erzählung von Dr. Jekyll und Mr. Hyde faszinieren uns heute mehr und mehr die Verfehlungen und Abgründe jenseits der offiziellen Fassade. Das politische Werk von Kanzler Kohl wird so immer mehr von einer Diskussion um den Privatmenschen Helmut überlagert, der in einer fragwürdigen Angelegenheit angeblich "guten Freunden" sein persönliches Ehrenwort gegeben hat. Wir würdigen zwar noch den Kanzler der Einheit, verweigern aber dem Menschen Helmut zugleich die Gratulation zum 70. Geburtstag.

Private Verhaltensweisen rücken auch anderen Ortes immer mehr in den Blickpunkt: Das Spektrum reicht von den Flugreisen der NRW-Politiker bis zu Big Brother oder den Fußbroichs. Es sind dabei immer die persönlichen Verfehlungen und Schrulligkeiten, die im Mittelpunkt stehen. Sie werden zum Gegenstand der öffentlichen Diskussion und des Spottes. Moderatoren wie Stefan Raab können heute ganze TV-Sendungen damit bestreiten.

Die Abweichungen und Verfehlungen vom "offiziell" geforderten Bild sind es demnach, die faszinieren. Sie bieten die Differenzierungen, die in anderen Bereichen verloren gegangen sind.
Ob es sich um politische Programme oder um Marketing- und Kommunikationskonzepte handelt: rheingold-Studien zeigen, dass sie sich im Empfinden der Bürger immer ähnlicher werden. Autos zum Beispiel gleichen sich nicht nur im Aussehen immer mehr an. Auch die Werbung bemüht fast immer ein Stereotyp: Fahrzeuge in einer schönen Landschaft. Ähnlich austauschbar erscheinen auch andere Angebote - etwa die für Fertigsuppen, Tierfutter und Mineralwasser.

Angesichts perfekter offizieller Bilder wäre es nur natürlich, wenn das Publikum auf der Suche nach Differenzierung damit beginnt, sich mit der Privatsphäre von Politikern oder den Macken der Markenangebote zu beschäftigen - etwa über die Lektüre von Testzeitschriften. So gesehen ist der Trend, sich mit Verfehlungen und mit Schrulligkeiten zu beschäftigen, für Marketing und Kommunikation ein Appell, die positiven Macken der Marken herauszuarbeiten! Anschauliche Beispiele bieten nach unseren Erkenntnissen die Zigarettenmarke West, die jüngste Whiskas-Kampagne oder aber auch die AOL-Kommunikation.

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