Forschungsreise ins Kölsche Hätz
Forschungsreise ins Kölsche Hätz
12.07.2005

Institut "Rheingold" nimmt das rheinische Naturell unter die Lupe
Forschungsreise ins Kölsche Hätz

Beispielsweise: Warum stehen wir so gerne an der Theke? Psychologen forschen in den Ex-Büros des Verfassungsschutzes

Von F. SCHWIEGERSHAUSEN


Das Team der Rheingold-Psychologen. Seit einem Jahr ist ihr Sitz am Kaiser-Wilhelm-Ring.
exp Köln - Drei wichtige Fragen übers rheinische Naturell: Wieso stehen die Kölner am liebsten an der Theke? Warum hat sich der Kölner ausgerechnet den Düsseldorfer als Erzfeind gesucht? Und warum feiert der Kölner so gerne Karneval? Die Antworten - sie sind eine Forschungsreise ins Kölsche Hätz.

Mitarbeiter des Kölner Instituts "Rheingold" gehen regelmäßig auf die Suche nach dem Kern des Kölners, betreiben psychologische Tiefenforschung am Rhein.

Wer sind die Leute, die den Kölner durchleuchten? "Rheingold" wurde 1987 Stephan Grünewald, Heinz Grüne und Jens Lönneker gegründet. Zunächst nannten die Psychologen ihr Unternehmen "IFM", vor Jahren schwenkten sie auf "Rheingold".

Grunwald: "Der Name passt besser. Gold liegt auf dem Grund des Rheines. Auch wir wollen allem auf den Grund gehen." Die Forscher können sich vor Aufträgen kaum retten. Über 1500 Studien sind seit der Gründung des Unternehmens entstanden. "Es gibt nichts, was wir noch nicht untersucht haben", so Geschäftsführer Grünewald.

Das Motto der "Rheingold"-Leute: Klasse statt Masse. Dafür schicken die Psychologen ihr Testvolk auf die Couch. Sie fragen nicht, wie oft Leute einen Werbespot sehen, sondern wie sie ihn erleben.

Die Ergebnisse sind teilweise verblüffend - wie bei der Erhebung zu einem Werbespot der Zigarettenmarke "West". Stephan Grünewald: "Damals fuhr ein Trucker in seinem Lkw auf einer staubigen Landstraße."

Doch die Werbung war für die Katz. Denn die Tiefeninterviews von "Rheingold" ergaben: Der Spot weckt im Zuschauer Unwohlsein, weil der Trucker in seinem Führerhäuschen wie in einer Dose eingesperrt ist. Außerdem bewerteten die Interviewten die staubige Straße als negativ, abstoßend.

"Rheingold" liegt mitten in Köln, am Kaiser-Wilhelm-Ring. Großzügiger Empfang mit Theke, dahinter Cappucino-Maschine und hauseigene Cocktailbar. Zeit zum Mixen hat indes niemand. "Ich arbeite jetzt seit einem halben Jahr hier. Seitdem hat sich der Inhalt der Flaschen nicht verändert", versichert Rheingold-Sprecher Thomas Strätling.

Das Rheingold-Haus - es hat eine lange Geschichte. Erst hatte der Kölner Verfassungsschutz dort seinen Sitz, dann zog die Volksfürsorge dort ein. Seit einem Jahr hat "Rheingold" dort seine Büros auf sechs Etagen, schaut den Kölschen in die Seele.

"Rheingold" versteht sich als kölsches Unternehmen. Kein Wunder, ihre Forschungsmethode, Markt- und Wirkungsanalysen und Tiefeninterviews, wurden vor 30 Jahren an der Kölner Uni von Professor Wilhem Salber entwickelt. Die Rheingold-Gründer haben bei ihm studiert.

Wie lebts sich in einem Haus voll mit Psychologen? "Das kann manchmal schwierig sein", lacht Grünewald. "Jeder Psychologe hat seinen eigenen Kopf, ist damit quasi sein eigener Unternehmer." Aber bei Rheingold wird viel gelacht, vor allem bei den halbtägigen Analyserunden, die die Studien auswerten. "Denn die Seele hat immer etwas Tragigkomisches", verrät Grünewald.

Apropos komisch: Die Ergebnisse über die Forschungsreise ins Kölsche Hätz können Sie demnächst im EXPRESS lesen. In regelmäßigen Abständen werden wir gemeinsam mit "Rheingold" die Wesensmerkmale der Kölschen veröffentlichen.

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