Frauen fühlen sich an Tankstellen unwohl - Aral-Mobilitätsstudie
Frauen fühlen sich an Tankstellen unwohl - Aral-Mobilitätsstudie
18.08.2006

Für viele ist sie eine ganz sonderbare Welt – die Tankstelle. Jeder Tankvorgang ist eine Mischung aus reiner Routine und dem Abtauchen in einen ganz eigenen Mikrokosmos. Das Tanken ist eine zwiespältige Angelegenheit, Frauen empfinden hier völlig anders als Männer.

 

Was geht in Autofahrern während des Tankens vor? Wird die Zeit zur Erholung genutzt ? Auf was legen Autofahrer an Tankstellen wert? Was beeindruckt sie? Was verunsichert sie oder stößt sie ab? Die Aral Mobilitätsstudie 2006 gibt Antworten auf solche und ähnliche Fragen.

 

„Tankstellen sind für Autofahrer längst mehr als bloße Kraftstofflieferanten. 2005 nutzten fast drei Viertel der Kunden ihren Halt an einer Aral Tankstelle auch zum Einkaufen im Shop oder für einen Imbiss“, erklärt Dr. Uwe Franke, Vorstandsvorsitzender der deutschen BP, zu der der deutsche Tankstellenmarktführer Aral gehört. „Mit unserer diesjährigen Mobilitätsstudie wollen wir dazu beitragen, das Mysterium Tankstelle besser zu verstehen. Wir hoffen natürlich, dass sich in Zukunft der Besuch an einer Tankstelle von einer routinemäßigen Pflicht zu einem positiven Erlebnis entwickelt.“

 

Die Vorjahresstudie (www.aral-presse.de) hatte sich mit dem Verhalten von Autofahrern aller Altersgruppen im Stau und allgemein im Verkehr befasst. Dieses Jahr hat das rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen Frauen und Männer in 80 tiefenpsychologischen Interviews befragt, wie sie Tankstellen, Waschanlagen und Shops erleben. „Tankstellen sind etwas ganz besonderes, ein Raum mit eigenen Gesetzen und Spielregeln“, so Claudia Ramrath, die Leiterin der Studie.

 

Zurück ins Klischee

Frauen und Männer erleben Tankstellen tendenziell ganz unterschiedlich. Auf Frauen wirken Tankstellen eher befremdlich, Tankstellen sind eher ein männliches Abenteuerland, in dem es keine sichtbare Autorität gibt. Die meisten Frauen fühlen sich beim Besuch einer Tankstelle unwohl, was sich im Extremfall sogar in Ängsten und Bedrohungsgefühlen äußern kann. Vor allem nachts entsteht bei einigen Frauen ein Bedrohungsgefühl, das auch mit einer sehr guten Tankstellenbeleuchtung nicht ganz verschwindet. Das befremdliche Gefühl, sich hier in einer Männerwelt zu bewegen, kann aber auch angenehme Seiten haben: Bei technischen Problemen nehmen Kundinnen häufig die Rolle der hilfsbedürftigen Frau ein: Sie lassen sich viel eher von Männern helfen, als es in anderen Situationen ihres Alltags der Fall ist. Die Furcht vor technischen Pannen gehen bei manchen Frauen sogar so weit, dass sie überhaupt nicht mehr oder nur noch tagsüber tanken. Am liebsten delegieren sie den Tankvorgang an männliche Partner.

 

Grundsätzlich wirkt das Ambiente von Tankstellen auf Männer wesentlich positiver als auf Frauen. Schließlich befassen sich viele Männer in ihrer Freizeit hobbymäßig mit Autos: Ölgeruch und Motorengeräusche wirken auf sie eher anziehend als befremdend. Die Abwesenheit einer sichtbaren Autorität wird von Männern nicht als bedrohlicher anarchischer Zustand begriffen, sondern als Herausforderung, sich beim „Kampf“ um freie Zapfsäulen durchzusetzen. Beim Tanken zeigen sie durch betont lässiges Auftreten, wie gut sie die Technik beherrschen. Wenn Frauen Probleme beim Tanken haben, nehmen die Herren gerne die klischeehafte Rolle des technisch versierten männlichen Helfers ein.

 

Erlebnis Tankstelle

Schon das Aussteigen an der Zapfsäule löst bei vielen Probanden starke Emotionen aus. Vor wenigen Augenblicken saßen sie noch sicher, anonym und warm in ihrem Automobil, doch jetzt „verwandeln“ sie sich wieder in einen Menschen unter Menschen, fühlen sich im Rampenlicht der Zapfsäulen ‚schutzlos’ den Blicken anderer Autofahrer und Kälte, Schnee oder Regen ausgeliefert.

 

Tankstellen erleben viele Probanden als eine Art Eldorado: Sie bieten rund um die Uhr Vollversorgung für Mensch und Maschine. Zudem sind Tankstellen ein soziologischer Mikrokosmos, in dem sich verschiedene Bevölkerungs- und Berufsgruppen auf engstem Raum begegnen. Die Probanden fühlen sich wie in einer Zwischenwelt: Der Tankstellenbesuch hat sie für kurze Zeit aus ihrem normalen Alltagsgeschehen gerissen. In diesem Niemandsland sind Zwänge und Regeln des Alltags weniger spürbar, die Probanden sind offener gegenüber Neuem, neuen Produkten und eher bereit, spontanen Gefühlen und Wünschen nachzugehen. Und auch mal Dinge auszuprobieren, die sie sich im Alltag nicht trauen würden.

 

Diese fremde Zwischenwelt löst allerdings auch Ängste und teilweise sogar ein diffuses Bedrohungsgefühl aus. Durch gute Beleuchtung und bekannte Markenlogos können in diesem Augenblick vor allem Markentankstellen ein Gefühl von Orientierung, Ordnung und Sicherheit vermitteln. Allerdings haben auch viele Kunden Angst vor peinlichen Pannen – vor allem die Fahranfänger. Denn vom Andockmanöver an der Zapfsäule bis zum Zahlen an der Kasse gibt es viele Möglichkeiten, durch kleine Fehler Verzögerungen zu verursachen und unliebsame Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

 

 

Kundentypen

In der Studie waren vor allem drei Grundmuster für das Verhalten beim Tankstellenbesuch auffällig: Boxenstopper, Träumer und Abenteurer. Nach welchem dieser Muster eine Person tankt, hängt von ihrer individuellen Situation und Stimmungslage ab.

 

Das Ziel des Boxenstoppers ist es, möglichst schnell weiter zu kommen. Gegenüber den Kunden und Angestellten der Tankstelle zeigt er deutlich, wie eilig er es hat. Außer Kraftstoff wird nichts eingekauft, denn im Tankstellenshop würde der Boxenstopper nur Zeit verlieren.

 

Personen, die in der Verfassung des Träumers sind, nutzen den Tankstellenaufenthalt dagegen als Pause für Körper und Geist. Sie lassen ihre Gedanken schweifen, gönnen sich Süßigkeiten und andere Produkte aus dem Tankstellenshop oder nehmen sich Zeit für einen Kaffee im Bistro.

 

Abenteurer möchten ihren Alltag etwas spannender gestalten. Deshalb tanken sie immer nur so viel, wie sie für die nächsten Fahrten ungefähr verbrauchen. So schaffen sie künstliche Notlagen, in denen sie eine Tankstelle erreichen müssen, um nicht mit leerem Tank liegen zu bleiben. Außerdem ignorieren sie Warnsignale der Tankanzeige, weil sie davon ausgehen, dass sie noch einige Kilometer schaffen, wenn der Tank laut Anzeige leer ist. Auch wenn sich der Abenteurer im Tankstellenshop oder im Bistro belohnt, setzt er auf Spannung und probiert neue Produkte aus.

 

Methodik

Die Studie wurde vom rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen erstellt. Sie basiert auf 80 je zweistündigen tiefenpsychologischen Interviews mit anschließender intensiver Analyse. Die von rheingold angewandte Methode der Morphologischen Markt- und Medienpsychologie hat sich als wissenschaftliches Instrument zur Vertiefung von Studien bewährt. Die Ergebnisse geben einen Einblick in die Motivation der Teilnehmer und gehen dadurch mehr in die Tiefe als quantitative Umfragen. Alle Interviewer verfügen über eine mehrjährige Ausbildung in tiefenpsychologischen Gesprächs- und Analysetechniken an der Universität Köln und/oder der rheingold Akademie.

 

Das rheingold Institut

Das rheingold Institut in Köln bringt Licht in die unbewussten Seiten des Verbraucherverhaltens. Angesichts der immer komplexer werdenden Märkte liefert es dem Marketing klare Entscheidungsgrundlagen. Seine Analysen erarbeitet das Kölner Institut auf der Basis der tiefenpsychologischen Methoden und Konzepte der Morphologischen Markt- und Medienforschung. Gegründet wurde das rheingold Institut 1987. Inzwischen arbeiten die Kölner für die Beletage der deutschen und europäischen Wirtschaft, Medien und Werbeagenturen.

Die Grundlagen für Erfolg versprechende Marketingstrategien liefern die morphologischen Wirkungsforscher. Mittels psychologischer Tiefeninterviews begeben sie sich auf eine analytische Forschungsreise zu den unbewussten seelischen Wirksamkeiten und Einflussfaktoren, die das individuelle Verhalten eines jeden Menschen bestimmen. Jedes Jahr liegen bei rheingold über 5000 Männer und Frauen „auf der Couch“. Mit ihrem Ansatz liefern die morphologischen Wirkungsforscher lebensnahe Modelle des Verbraucherverhaltens, statt lediglich nackte Daten anzuhäufen.

Heute zählt das Institut zu den renommiertesten Adressen der qualitativ-psychologischen Wirkungsforschung. Das Team der rund 180 festen und freien Mitarbeiter setzt sich aus erfahrenen Diplom-Psychologen und Diplomanden zusammen, die über eine mehrjährige wissenschaftliche Ausbildung in der Durchführung und Analyse von psychologischen Tiefeninterviews verfügen.

 

 

Ansprechpartner:

 

rheingold Institut, Thomas Kirschmeier, Tel 0221 / 912 777 44

Aral AG, Pressestelle, Dr. Claudia Braun, Tel. 0234-315-4100

 

 

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