People are People - Zur Psychologie der People-Magazine
30.10.2007

Der Zeitschriftenmarkt ist hart umkämpft. Dennoch erfreuen sich einige z. T. noch  recht junge Formate im Bereich der so genannten People- und Luxusmagazinen eines großen Zuspruchs.  Was interessiert uns an Stars und Sternchen, Prominenten und Halbprominenten? Wieso lesen wir immer wieder Geschichten über  die Roberts, Brad Pitt oder diverse Royals? Es lassen sich vier psychologisch relevante Lesephasen herausstellen, die die Lektüre für das Seelische so interessant macht – diese Lesephasen können auch mehrmals nacheinander durchlaufen werden.

1. Träumen und Partizipieren

Auf den ersten Blick symbolisieren Luxus- und Peoplemagazine Träume und Wünsche, die wir im Alltag nicht erleben können und vielleicht sogar in unserem gesamten Leben niemals erreichen. So schön wie Sharon Stone, so reich wie Paris Hilton, so erfolgreich wie George Clonney…Oder wäre es nicht doch möglich, dass eines Tages der Traumprinz  -  sagen wir  in Form von Prinz William- vorbei geritten kommt und uns zur Prinzessin macht? Mit Luxus- und Peoplemagazinen können an den glanzvollen Welten partizipieren, obwohl wir nicht dazugehören. Träumen ist erlaubt – aber Träume alleine machen diese Magazine nicht so attraktiv. Das geht auch mit Rosamunde Pilcher ob als Lektüre oder TV-Format.

2. Abgrenzung und Schadenfreude

Bei genauerem Hinsehen ist es nicht nur das Partizipieren an unerreichbaren Welten, das die Leser bei der Stange hält. Auffällig häufig wird über die Magazine gelästert und  so getan als ob man sich eigentlich nicht interessiere. Ohnehin ist man nur  zufällig beim Frisör oder im Flugzeug an eine solche Zeitschrift geraten.  Wer will schon so kalt wie Madonna sein oder bei seinem Alterungsprozess jedes neue Fältchen in dutzenden Zeitschriften dokumentiert sehen? Das Lesen von Luxus- und Peoplemagazinen dient auch der Abgrenzung von einem solchen prominenten Leben. Man sucht und findet bereits während des Lesens unzählige Argumente, warum es doch schön ist, ein völlig anderes Leben zu führen. Dazu passt, dass viele  Leser einen gut Teil der Stars und Promis noch nicht einmal besonders mögen.  Bei Promis gibt es persönliche ‚Likes und Dislikes’. Dies hieße aber konsequenterweise, wir beachten nur unsere Sympathieträger und lassen alles andere weg.  Erstaunlich nur, wie detailgenau sich die allermeisten auch in den Lebensgeschichten der ‚Unsympathischen’ auskennen. Schadenfreude über Schnappschüsse die kleine Fehler und Fehltritte der Promis aufdecken, ist ein ebenso zentrales wiewohl auch selten ausgesprochenes Motiv.

3. Ähnlichkeitsprinzip und Entlastungen

So verrückt es klingt, wir wollen von den Magazinen nicht nur den ‚Hochglanz’ der Promiwelt – sondern stöbern sie geradezu durch nach Eheproblemen, Cellulite, modischen Fehlern, kleinen oder großen Fettnäpfchen usw. Dies geschieht nicht nur aus reiner Schadenfreude  – wir erfreuen uns vielmehr am Unperfekten, Fehlerhaften und Lädierten, weil uns genau diese Menschlichkeiten den Promis näher bringen. Sie sind auf einmal nicht mehr unerreichbar, sondern uns irgendwie ähnlich.

Gerade diese Fehler machen die Reichen und Schönen erst sympathisch, gerade das ist es woran wir wirklich partizipieren. Die Fehler sagen uns, schau her, das sind auch Menschen wie Du und ich. Lädierungen und Unperfektes entlasten uns gleichzeitig auch von unseren Ansprüchen. Sie zeigen, dass Stars keine Übermenschen sind. Sie zeigen außerdem, dass Reichtum und Schönheit  nicht vor dem Unglücklichsein schützt – und dass man sich am Ende ja vielleicht mit seinem kleinen Glück viel glücklicher schätzen kann.

4. Das Prinzip Hoffnung

Gerade die Fehler und das Unperfekte in den ‚perfekten Welten’ geben uns auch Hoffnung. Wir spüren die Ähnlichkeiten zwischen uns und den Stars. Wenn sie aus vergleichbaren Verhältnissen kommen und genau solche Cellulite haben wie wir, dann ist es doch wohl vielleicht möglich, dass auch unser Leben eine andere Wendung erfährt? Dass wir auch noch schöner, reicher und berühmter werden? Promis sind schließlich auch nur Menschen wie wir – sie haben das Beste daraus gemacht. Das gibt uns Hoffnung. Womit wir wieder am Anfang wären, beim Träumen….  

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