Sehnsucht, Wut und Wahn - Motive der Schönheitspflege
Sehnsucht, Wut und Wahn - Motive der Schönheitspflege
12.07.2005

Körper ist Kult: Noch nie haben Frauen dem Erscheinungsbild ihres Körpers durch die Verwendung unterschiedlichster Kosmetika mehr Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Pflege zukommen lassen. Doch wer glaubt, dass sie sich dabei im Umgang mit Tuben, Tiegeln und Flacons an eingängigen Schönheitsidealen orientieren, irrt. Einer Welt modischer Unverbindlichkeiten und Orientierungslosigkeit begegnen Frauen mit differenzierten Sehnsüchten und Strategien - geprägt von drei unterschiedlichen Blickwinkeln: Dem "Schöpfungs-Wahn", der "Authentizitäts-Sehnsucht" und der "Neutralisierungs-Wut". Diese Motive bestimmen ihre Vorstellungen von Schönheit und ihr Einkaufsverhalten im Umgang mit Kosmetika.

Der"Schöpfungs-Wahn" beflügelt Frauen, die sich ständig selbst "neu erschaffen" wollen und sich nicht mehr mit ihren körperlichen Unzulänglichkeiten abfinden. Die Schicksalsgläubigkeit in die eigene Veranlagung oder körperliche Veränderungen durch den Alterungsprozess werden von ihnen heute nicht mehr akzeptiert. Wirkungsvolle Schönheitspflege und kosmetische Chirurgie sind da probate Mittel, immer wieder nach Lust und Laune in neue Larven zu schlüpfen: Eine unbändige Verwandlungslust äußert sich dann, nicht nur bei jüngeren Frauen, in häufig wechselnden Outfits und Stilen, Frisuren und Frauentypen. Gleichzeitig gilt es aber auch, den Spuren des Alterns zu trotzen und das Schönheitspotential zu erhalten.

Hinter der "Authentizitäts-Sehnsucht" verbirgt sich der Wunsch nach Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, einem "wahren", sehr individuellen Selbstbild, dem oft mit zeitraubenden Prozeduren nachgeholfen wird. Zwei Umgangsformen prägen dabei die Arbeit an sich selbst: Stellvertretend für die gesamte Persönlichkeit werden Einzelbereiche wie Haare oder Fingernägel perfekt profiliert, oder aber durch die Verwendung von Kosmetika aus bestimmten Farbcodes oder assoziativen Zuordnungen wie "Meer" oder "Früchte" verschafft sich die Frau eine ganzheitliche Note, Tönung oder Färbung, die ihrem Eigenbild entspricht. Diese Sehnsucht nach Authentizität ist die Suche nach Orientierung inmitten einer Inflation von Idealen, Rollen und Bildern. Einerseits eine Befreiung von den zementierten Frauenvorbildern der Vergangenheit, andererseits aber auch die Belastung, zwischen verschiedenen Idealen und Wunschvorstellungen eigene Maßstäbe finden zu müssen.

Die "Neutralisierungs-Wut" ist der dritte Blick auf die eigene Schönheit: Es gilt, den Spuren von Alter und Alltag zu widerstehen, sichtbare Konsequenzen der Lebensführung und anderer Festlegungen ungeschehen zu machen und sich alle Optionen der eigenen Entwicklung offen zu halten. Denn Frauen wollen sich heute nicht auf ein Bild von sich festlegen lassen. Zwei konkrete Verhaltensweisen prägen dabei die Schönheitspflege: Der Ersatz von aggressiven Reinigungsmodellen durch die Verwendung von pflegenden und regulierende Kosmetika, aber auch die Vorbeugung gegen den körperlichen Abnutzungsprozess. Brachial anmutende Praktiken wie Heißwachsentfernungen oder Peelings gehören dann ebenso zur täglichen Kosmetik wie der Einsatz von Kinderprodukten, durch die der Wunsch nach sanfter und zarter "Heilung" deutlich wird. Bei den Zähnen äußern sich die körperlichen Verfallserscheinungen als "aggressiver Akt gegen die Frau" als erstes. Ihnen wird mit einem umfangreichen Arsenal von technischen, medizinischen und kosmetischen Hilfsmitteln nachhaltig zu Leibe gerückt.

Die rheingold-Studie "Beauty life" kann über das Institut kostenlos angefordert werden.

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