Verbraucher sehen keine persönliche Gefährdung durch BSE
Verbraucher sehen keine persönliche Gefährdung durch BSE
12.07.2005

Verunsicherung, Ekel und Schuldgefühle durch die Perversion der Ernährungskultur bestimmen das Verhalten der Verbraucher - doch sie zeigen keine Bereitschaft zu Reformen: rheingold untersuchte die tiefenpsychologische Dimension der BSE Krise.

Auch wenn die Verbraucher gesundheitliche Bedenken für ihren Verzicht auf Rindfleisch anführen: Das Gefühl einer persönlichen Bedrohung durch die Übertragungsmöglichkeit von BSE ist bei ihnen nur sehr schwach entwickelt.

Eine tiefenpsychologische Untersuchung von rheingold auf der Grundlage von zwei aktuellen Gruppendiskussionen und einer Auswertung von 1.250 Verbraucher Explorationen zu den Ernährungsgewohnheiten im Jahr 2000 ergab, dass die Bilder von Massentierhaltung und "Kadaverwirtschaft" den Verbrauchern den Appetit auf Rindfleisch gründlich verdorben haben. Die werbliche Idealisierung von Landwirtschaft und "Essen aus deutschen Landen" ist empfindlich gestört: Die "ekelhaften und perversen" Grundlagen unserer Ernährungskultur werden sichtbar.
Doch diese Erkenntnis führt bei den Verbrauchern nicht zu grundlegenden Forderungen nach einer Reform des "perversen Systems": Sie fühlen sich mitschuldig, weil sie sich bei ihrer Ernährung selbst fahrlässig, acht- und kritiklos verhalten und die skandalösen Zustände bislang billigend für die Wahrung von Wohlstand und Bequemlichkeit in Kauf genommen haben.

Der gegenwärtige Staus quo wird von ihnen nicht grundlegend in Frage gestellt. Die Verbraucher geben sich mit kleinen privaten Maßnahmen wie dem weitgehenden Verzicht auf Rindfleisch sowie minimalen politischen Korrekturen wie dem Verbot der Tiermehlfütterung zufrieden. Doch diese Beruhigungs-Strategien wirken nur kurzfristig: Das Unbehagen an den Lebensverhältnissen wird wiederkehren und die Verbraucher werden eine "Sucht nach Skandalen" entwickeln, um das immer wieder aufsteigende schlechte Gewissen an einer pervertierten Kultur kanalisieren zu können. Das kulturelle System kann sein Gleichgewicht scheinbar nur noch stabilisieren, indem es häufig Skandale produziert. Diese ermöglichen es, "Dampf abzulassen" und Stärke zu demonstrieren ohne den Lebensstil wirklich ändern zu müssen.

Die rheingold-Untersuchungen zu den tiefenpsychologischen Folgen des BSE-Skandals ergaben acht grundsätzliche Faktoren, durch die das gegenwärtige Verhalten der Verbraucher bestimmt wird.

© 2015 rheingold