Angst vor einem Atomkrieg und "Albtraumhafte Gefühle, dass der Weltuntergang bevorsteht"

Im Interview mit t-online.de vom 09.03.2022 beschreibt Birgit Langebartels die Stimmungslage der Deutschen, die geprägt ist von Angst und Ohnmacht. Sie befinden sich in einer Krisenpermanenz und akuten Schockstarre.

Frau Langebartels, Sie haben tiefenpsychologische Interviews mit einer repräsentativ ausgewählten Gruppe von Menschen zum Ukraine-Krieg geführt. Auf welche Stimmungslage sind Sie getroffen? Wie geht es den Deutschen derzeit damit?

Wir sind auf Menschen in Schockstarre getroffen, mit albtraumhaften Gefühlen, dass der Weltuntergang bevorstehen könnte. Es gibt eine große Angst vor der Eskalation des Konfliktes, vor dem Einsatz von Atomwaffen oder der atomaren Bedrohung durch den Angriff auf die ukrainischen Atomkraftwerke.

Aber es herrschte keine Panik in den Gesprächen mit den Menschen. Vor allem in den jüngeren Altersgruppen gab es auch eine große Besonnenheit, mit der auf die Besessenheit von Putin reagiert wurde. Unter dieser Besonnenheit wurde jedoch nach genauerem Nachfragen eine tiefe Angst deutlich.

Dieser Krieg kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Menschen bereits zwei Jahre Pandemie-Erfahrung unter Corona hinter sich haben. Was bedeutet das für uns?

Die Menschen sind zermürbt. Sie haben das Gefühl, sich in einer Endlosschleife aus Katastrophen zu befinden. Die Ohnmachtsgefühle sind sehr ausgeprägt. Ein junger Mann äußerte zum Beispiel, er habe das Gefühl, sich als Teil einer schlechten Serie zu fühlen, die mit jeder Folge schlimmer wird. Die Corona-Verunsicherung ist der Boden, auf den diese Kriegsängste jetzt treffen. Erneut sind wir einer Bedrohung ausgesetzt. Das ist aufreibend.

Was denken die Menschen über die Ukraine? Sie ist nicht weit weg, andere Konflikte waren weiter entfernt …

Ja, zwei Flugstunden von uns entfernt, heißt, dass dieser Krieg vor unserer Haustür stattfindet. Die Menschen dort sehen aus wie wir, sie haben dieselben Geschäfte, die Straßen sehen aus wie bei uns. Das ist nicht nur geografisch, sondern auch seelisch näher und bedeutet: Auch wir könnten betroffen sein. Es bestärkt die Ängste, dass Putin diesen Krieg ausweiten könnte.

Das gesamte Interview können Sie hier nachlesen.

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Birgit Langebartels

Birgit Langebartels


Birgit Langebartels, Diplom-Psychologin, ist Account-Managerin und Leiterin Kids & Family Research beim Kölner Marktforschungsinstitut rheingold. Sie forscht auf den Gebieten Frauen, Gesellschaft/Kultur/Trends sowie Pharma/Gesundheit und ist seit 1999 bei rheingold erfolgreich tätig.

Tel.: +49 221-912 777-14
E-Mail: langebartels@rheingold-online.de

Das rheingold Institut legt die deutsche Gesellschaft auf die Couch und führt tausende tiefenpsychologische Interviews im Jahr.