Zwischen Allmacht und Erschöpfung
Zwischen Allmacht und Erschöpfung
23.10.2017

Frauen stehen massiv unter Druck, sowohl gesellschaftlich wie auch unter der Last ihrer eigenen Erwartungen. Das zeigt die Frauenstudie, die rheingold im Auftrag von Procter & Gamble und der Online-Plattform for-me-online.de durchgeführt hat. Rund 1.000 Frauen zwischen 20 und 50 Jahren gaben Auskunft zur eigenen Lebenssituation als berufstätige Mutter in Deutschland.

Supermutter, Karrierefrau und sexy Liebhaberin – der weibliche Rollenfundus scheint heute unerschöpflich. Doch diese Freiheit hat für die Frauen einen hohen Preis. Mit großen Kraftakten versuchen Frauen in einer Schlacht zwischen konkurrierenden Entwicklungsbildern ihren Weg zu finden. Die Annahme, alles schaffen zu können, führt nicht selten zu Gefühlen von Größenwahn, die dann aber in Erschöpfung, Frustration und Versagensängsten münden.

Der digitale Machbarkeitswahn unserer Gesellschaft beeinflusst auch das Leben der Working-Mums. Während früher der Zwang vorherrschte, sich für eine Rolle oder einen Lebensweg entscheiden zu müssen, wird heute suggeriert, dass alles parallel möglich ist. Selbstverwirklichung in den verschiedensten Bereichen scheint nicht nur machbar, sie wird auch unterschwellig erwartet. Die Studie zeigt: Frauen lieben diesen Reichtum an Rollen-Bildern, ihre Fülle und Dramatik, verbunden mit ihren unterschiedlichen Herausforderungen. Und kommen zugleich unweigerlich in eine Überforderung hinein. Denn sie fühlen sich immer schuldig an dem jeweils anderen Bild, welches seinen Tribut fordert und dem gelebten Bild die Zeit stiehlt.

Working-Mums veranstalten einen flexiblen Multitasking-Pragmatismus, mit einer extrem hohen Energiedichte, ihr Alltag ist unfassbar reich an Tätigkeiten, Terminen, Erledigungen, Planungen und Dramen. Dabei gehen sie oft bis an die Grenze der Selbstaufgabe und ordnen sich und ihre Bedürfnisse der Familie unter.

Jede zweite Mutter (51 Prozent) übernimmt die Dinge lieber selbst, bevor sie sich mit dem Partner darüber auseinandersetzt. Zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) sehen sich scheinbar dazu gezwungen, sowohl Vater- als auch Mutterrolle zu übernehmen. Und ein Drittel (32 Prozent) fühlt sich alleinerziehend trotz Partner oder betrachtet ihn gar als weiteres Kind (33 Prozent).

Männer spielen heute noch - obwohl physisch anwesend - im Alltag der Frauen eine sehr untergeordnete Rolle und werden von den Frauen (fast) überflüssig gemacht.

Auffällig war in der Studie der Wunsch der Frauen nach Entlastung, aber gleichzeitig der Widerwillen, tatsächlich Hilfe anzunehmen. „Für mich war eine Putzfrau das Eingeständnis, dass ich es nicht alleine schaffe“, so eine Probandin. Selbst Wellness-Ausflüge gehören zu einer inszenierten Selbstdressur. „Wenn Du nicht ab und zu mit deinen Freundinnen wegfährst, heißt das doch gleich, du lässt dich hängen und bist nur noch Mutti.“

Trotz dieses enormen Pensums fühlen Frauen sich oft leer und unerfüllt, denn es scheint nie genug zu rein, sie arbeiten sich an dem unerreichbaren Idealbild unaufhörlich ab.

Besorgniserregend ist, dass viele Frauen unbewusst bereit sind, von sich selbst oder der Familie, Engagement bis zur Selbstaufgabe zu fordern, um das allmächtige Bild der Alleskönnerin aufrechtzuerhalten. Zwischen Selbstaufgabe und Überforderung der Familie zeigen sich sehr destruktive Tendenzen. In der Überlastung verspüren Frauen eine ungeheure Wut, dem angestrebten Bild nicht zu genügen. Aus eigener Kraft schaffen es viele nicht, eine Wende einzuleiten. Oft ändern sie erst dann etwas, wenn sie ein Schicksalsschlag wie eine Fehlgeburt, Krankheit oder Kündigung ereilt.

Die Studie zeigt: Eine Lösung liegt in einer neuen Priorisierung und der Relativierung vorherrschender Bilder und der ehrlichen Auseinandersetzung mit der „perfekten Alleskönnerin“. Es gibt heute nicht mehr nur ein Vorbild, nachdem sich ausgerichtet werden kann, sondern es müssen individuelle Lösungen gefunden werden.

Hier können Marken mit ihrer Kommunikation Frauenbilder modifizieren und der Überforderung entgegen wirken. Zum einen können Marken sich als attraktive und realistische Role-Models entwickeln und für ritualisierte Dehnungsfugen im Alltag sorgen.

Zum anderen können sie Frauen die Angst nehmen, dass ein Zurückschalten erlaubt ist und nicht ihr gesamtes Alltagsgerüst zum Einstürzen bringt.

 

Frauenstudie Working Mums/ Procter & Gamble

Studienleiterin Birgit Langebartels, Dipl.-Psychologin, Account-Managerin und Leiterin Kids & Family Research


Die Studie wurde in der Ausgabe Nr.45/17 vom 02.11.des stern in einer Reportage thematisiert. Sie können diese unten downloaden und lesen.

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