|
|
|
|
die Stimmung vieler Wählender vor der kommenden Bundestagswahl ist von starken Verlustgefühlen, Sorgen und Enttäuschung über die Politik geprägt. Die Konsequenzen einer stotternden Wirtschaft, fehlgesteuerter Migration und bröckelnder Infrastruktur dringen zunehmend in den Alltag ein und erzeugen das Gefühl, in einem Problemstau ohne Ausweg festzustecken.
|
Das sind zentrale Ergebnisse der regelmäßig vor der Bundestagswahl durchgeführten, heute veröffentlichten, Wahlstudie des Kölner rheingold Instituts, das sich auf qualitativ-psychologische Markt-, Kultur- und Gesellschaftsforschung spezialisiert hat.
|
„Die empfundene Ausweglosigkeit manifestiert sich gleich auf drei Ebenen“, sagt Stephan Grünewald, Diplompsychologe und Gründer des rheingold Instituts. „Politisch fehlen überzeugende Visionen und weder die Kandidaten noch die Koalitionsoptionen überzeugen die Wählenden.“
|
Wohlfühlblasen schützen nicht mehr
|
Der in den letzten Jahren praktizierte Rückzug in private Wohlfühl-Blasen funktioniert meist nicht mehr als Beruhigungsstrategie. Insgesamt wird das einst so erfolgreiche Vorzeigeland Deutschland als marode erlebt. Die Menschen zeigen sich in ihren Grundfesten erschüttert und haben kaum Zuversicht, dass sich die Lage durch einen Regierungswechsel verbessern wird.
|
Sehnsucht nach fürsorglichem und starkem Krisenmanager
|
Diese Situation erzeugt eine politische Sehnsucht nach einem durchsetzungsstarken, aber auch fürsorglichen Krisenmanager, ein Profil, das keiner der Kandidaten aus unterschiedlichen Gründen wirklich erfüllen kann. „Die Tatsache, dass sich die zerstrittenen Protagonisten der gescheiterten Ampelregierung wieder geschlossen zur Wahl stellen, sorgt für zusätzliche Kränkung und Wut“, so Grünewald. Auch die Wahl Donald Trumps in den USA verschiebt das deutsche Wunschprofil in eine konservative und mitunter radikalere Richtung nach dem Motto „Germany First“.
|
Von einer Aufbruchstimmung mit Blick auf mögliche Koalitionen ist bei dieser Wahl nichts zu spüren. Vielmehr herrscht auch hier ein Gefühl der Ausweglosigkeit. Die Wählenden erwarten nach der ernüchternden Erfahrung mit der Ampelkoalition keine überzeugenden Koalitionsoptionen. Selbst die im Ausschlussverfahren als geringere Übel favorisierten Koalitionen, erzeugen meist ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit.
|
Risse in der Gesellschaft immer tiefer
|
Die aufgeheizte Stimmung wird zunehmend als „explosiv“ wahrgenommen. Die Zündschnur im Kontakt mit Freunden oder Bekannten wird kürzer, und viele haben das Gefühl, national und international auf einem Pulverfass zu sitzen. Insgesamt lässt sich beobachten, dass die gesellschaftliche Spaltung zu immer tieferen Rissen führt. Mitunter hat man in den Tiefeninterviews den Eindruck, dass die befragten Wählenden in komplett unterschiedlichen Wirklichkeiten leben und die Welt vollkommen anders wahrnehmen.
|
Das eher links-bürgerliche Lager fürchtet den „Untergang des Abendlandes“, falls die AfD an die Macht kommen sollte. Dieses Lager beschwört die Normalität, kämpft für den Erhalt des Status quo, idealisiert mitunter die Zustände, ringt um die Demokratie und sieht sich als Bollwerk des Guten. Es hofft, dass sich der Problemstau durch demokratischen Einsatz wieder in Wohlgefallen auflöst.
|
Bedrohlicher Stillstand weckt heimliche Sehnsucht nach „Sprengung“
|
Das eher konservative oder AfD-nahe Lager hingegen hat das Gefühl, dass Deutschland sich bereits mitten im Untergang befindet. Fassungslos beschreiben sie den maroden Zustand des Landes, beklagen die Inkompetenz der Regierenden, dramatisieren die Lage zum Teil und fühlen sich heimatlos im eigenen Land. Dieses Lager zeigt sich wütend und fordernd, verlangt einen radikalen Durchgriff und eine entschiedene Wende zurück zu alter Stärke.
|
Gleichzeitig verstärkt die gefühlte Ausweglosigkeit in der festgefahrenen Situation eine latente Sehnsucht, den Problemstau entschieden oder radikal aufzulösen. Angesichts der riesigen Probleme erscheinen Stillstand und ein bloßes „Weiter so“ zunehmend bedrohlich. Diese Gefühle bedient die AfD mit der Verheißung, das System „sprengen“ zu können.
|
Was die Menschen von der Politik fordern
|
Von der zukünftigen Politik wird erwartet, dass sie eine richtungsgebende Geschlossenheit trotz der zu erwartenden inhaltlichen Differenzen an den Tag legt. Müde von parteigetriebener Taktik und Machtspielen, fordern die Menschen pragmatische Lösungen. Zügige und sachorientierte Zusammenarbeit kann nach der Wahl die Zuversicht erwecken, dass der Problemstau aufgelöst werden kann.
|
„Die Politik muss dringend gegen die zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft aktiv werden“, sagt Stephan Grünewald. „Ein erster wichtiger Schritt ist die klare Benennung der immer offensichtlicheren Probleme und das Aufzeigen konkreter Handlungsmöglichkeiten.“
|
Zur Methode und Stichprobe der Studie
Die tiefenpsychologische Wahlstudie basiert auf der Exploration von 50 Wählerinnen und Wählern im Erhebungszeitraum 13.–23. Januar 2025.
|
24 Personen wurden in drei jeweils zweistündigen Gruppendiskussionen mit jeweils acht Befragten face-to-face in Köln intensiv befragt. 26 Personen wurden in jeweils zweistündigen qualitativ-psychologischen Video-Interviews deutschlandweit intensiv befragt. Alle Befragten waren zwischen 20 und 65 Jahren alt. Die Parteienaffinität der Befragten entspricht der Stimmenverteilung der Wahlumfragen in der ersten Januarhälfte.
|
Ziel der Studie ist es, ergänzend zu den täglich neu vorliegenden demoskopischen Daten die Stimmung bei den Wählern zu verstehen und ihre tieferliegenden Sichtweisen und oft unbewussten Beweggründe zu ermitteln. Die Studie ist aufgrund ihrer qualitativen Stichprobe nicht repräsentativ, sie repräsentiert jedoch die oft nicht thematisierten Ängste, Sehnsüchte und Wahrnehmungsmuster der Wählenden.
|
|
|
|
Wenn Sie noch mehr Informationen brauchen, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.
|
|
Herzliche Grüße aus Köln,
|
|
|
|
|
|
|