Trendforschung: Stephan Grünewald im Interview mit DIE ZEIT


Die Bundesrepublik feiert 70. Geburtstag. Wie ist die Seelenlage des Jubilars? Der Psychologe Stephan Grünewald erkennt Ruhe und Gelassenheit – aber auch ein gefährliches Brodeln.

DIE ZEIT: Herr Grünewald, in der kommenden Woche wird die Bundesrepublik Deutschland 70 Jahre alt. Sie erforschen in Ihrem Institut seit Jahren den Seelenzustand der Deutschen. Wenn die Bundesrepublik ein Mensch wäre und zu Ihnen käme, was wäre Ihr erster Eindruck?

Stephan Grünewald: Vordergründig: eine ruhige und gelassene Person. Wenn man aber näher hinguckt, bemerkt man eine sehr große innere Unruhe und Aufgewühltheit. Die artikuliert sich in einer inneren Zerrissenheit, einem schwelenden Misstrauen gegen die Eliten und in einer wachsenden Unduldsamkeit.

ZEIT: Wie erklären Sie diese Unruhe?

Grünewald: Die Bundesrepublik ist eigentlich eines der letzten Paradiese, eine Art wunderbares Auenland mit niedriger Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Stabilität, guter Gesundheitsversorgung. Aber dieses Auenland ist bedroht durch viele Gefahren, ob das jetzt der Klimawandel ist, der Terrorismus, die Digitalisierung, die Globalisierung, die Migrationsfrage. Diese Gefahren werden wie in eine Bad Bank nach draußen verlagert, in das Grauenland. Diese Aufspaltung der Welt führt dazu, dass in der Zukunft nur noch das Hereinbrechen des Grauens gesehen wird und nicht die Chance zur Umgestaltung. …

Quelle: DIE ZEIT
Foto: Felix Adler (aus dem Projekt »Schwarz Rot Gold«); kl. Foto: imago

Der rheingold Experte

Stephan Grünewald


Der Psychologe Stephan Grünewald (57) aus Köln ist Gründer des Markt- und Medienforschungsinstituts rheingold. Grünewald wurde u.a. mit den Büchern „Deutschland auf der Couch“ (2006) und „Die erschöpfte Gesellschaft“ (2013) Bestseller-Autor.

Tel.: +49 221-912 777-17
E-Mail: gruenewald@rheingold-online.de

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