"Erfüllte Wünsche sind nicht immer eine Erfüllung," Judith Behmer im Gespräch mit der BARMER am 03.12.2020.


Corona stellt die Logik der Feiertage in diesem Jahr völlig auf den Kopf. Üblicherweise geraten wir in der angeblich so besinnlichen Adventszeit ja völlig in Stress, jagen Geschenke, arbeiten To-Do-Listen ab und hasten von Glühweinbude zu Glühweinbude. Weihnachten kehrt dann ganz plötzlich Ruhe ein und wir genießen den Wechsel von der betriebsamen Anspannung zur plötzlichen Entspannung. Es ist auch dieser Kontrast, der Weihnachten so attraktiv macht. Doch durch das vorweihnachtliche Ausgebremst-Sein und die von außen auferlegte Zwangsbesinnung werden wir dieses Jahr den Kontrast nicht so intensiv auskosten und genießen können.

Doch ist eine Adventszeit ohne Stress nicht der sehnliche Wunsch von vielen? Erfüllte Wünsche sind nicht immer eine Erfüllung. Auch wenn wir uns nach Ruhe und Entschleunigung sehnen, auf Dauer ist Nichtstun psychologisch schwer zu ertragen. Menschen wollen auch tätig sein und suchen Handlungsimpulse. Nicht umsonst haben sich die Menschen im ersten Lockdown die Zeit so aktiv wie möglich vertrieben. Backen, kochen, gärtnern, heimwerken – all das hatte Konjunktur, weil wir im Handeln Wege aus der Ohnmacht suchen.

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Judith Behmer


Judith Behmer ist Diplom-Psychologin und Mitglied der Geschäftsführung beim rheingold institut für tiefenpsychologische Markt- und Medienforschung – hier forscht sie in unterschiedlichen Branchen (u. a. Medien, Handel, Finanzdienstleistungen). Besonders am Herzen liegt ihr der kulturpsychologische Aspekt ihrer Forschungsprojekte.

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