Kulinarische Esskultur in Corona-Zeiten


Convenience-Produkte werden wichtiger, da sie Antworten auf veränderte Ansprüche in Corona-Zeiten geben. Eine rheingold-Studie im Auftrag von Kulinaria Deutschland zeigt sechs verhaltensbeeinflussende Faktoren, die sich auf die Verbraucherbedürfnisse auswirken und die insbesondere von Convenience-Produkten befriedigt werden.

Während im ersten Lockdown insbesondere die Vorratshaltung von hoher Bedeutung war, befinden wir uns nun in einer ‚Zwischenwelt‘, in der sich neue Routinen etablieren und festigen. Auch durch den Trend zum Home-Office wird die kulinarische Versorgung Zuhause weiterhin von hoher Relevanz sein. Die Grunderfahrung einer ‚stärkeren Erdung der Ansprüche‘ und Offenheit für Vereinfachung (z.B. mit kulinarischen Produkten) wirkt auch über den Lockdown hinaus. Der Verzicht auf breiter Front schafft gesellschaftlich ein Bedürfnis nach Trost und unaufwändigen Genuss-Erlebnissen.

Dies sind die sechs entscheidenden Faktoren, die sich auf die Verbraucherbedürfnisse auswirken:

1. Versorgung sichern
Die Corona-Krise vermittelte ein Gefühl der begrenzten Produktverfügbarkeit, das in dieser Form neu war. Auch das Einkaufserlebnis wird durch die Maskenpflicht und die Abstandsregeln getrübt. Dadurch setzen Verbraucher verstärkt auf Vorratshaltung und Plankäufe, um ihre Versorgung zu sichern.

2. Alltag strukturieren
Durch Home-Office veränderte sich der Alltag. Es entstanden mehr Gelegenheiten für Mahlzeiten und kleine Snacks, die gerne genutzt werden, um den Alltag neu zu strukturieren.

3. Gemeinschaft pflegen
Weiterer Effekt des Home-Office ist die Verschiebung der Mittagspause in die eigenen vier Wände. Dadurch sitzt die Familie gemeinsam am Tisch, isst und tauscht sich aus. Sorgen, Ängste und Wünsche werden miteinander geteilt, was das „Wir-Gefühl“ stärkt und hohe Ernährungsideale ablöst.

4. Tristesse kompensieren
Das Essen sorgt zudem für Abwechselung im Tagesablauf und geschmacklich. Wenn es gut schmeckt, hebt es die Stimmung. Wenn etwas Neues, Unbekanntes gekocht wird, sorgt es für Überraschungen. Essen ist somit in der Lage für Würze zu sorgen.

5. Aktiv bleiben
Insbesondere die Zubereitung, das Kochen oder Backen fördern die Kreativität. Sie ermöglichen ein Gefühl der Betriebsamkeit und lösen Emotionen aus – Freude über leckeres Essen und Frustration über misslungene Versuche.

6. Perfektionsansprüche lockern
Letztlich erdete uns die Corona-Krise und schärfte den Blick „für das Wesentliche“. Dadurch sinkt der hohe Anspruch an die eigenen Ernährungsideale und ein „gesundes Maß“ steht im Fokus der eigenen Ernährung.

Das Fazit: Die Offenheit für kulinarische Lebensmittel hat sich insgesamt spürbar erhöht. Gelockerte Perfektionsansprüche und ein neuer Pragmatismus steigern insgesamt die Akzeptanz von Convenience-Produkten. Auch Gesundheit, Sicherheit und Hygiene rücken neu in den Blick und rechtfertigen verpackte und vorgekochte Lebensmittel. Dabei legitimieren Alltagsnöte und der Wunsch der Gemeinschaftsbildung Vereinfachung und einen konsensfähigen Geschmack.
Neue Ambitionen zum Selber-Machen erfordern Hilfsprodukte, die inspirieren und zugleich Aufwand reduzieren und das Gelingen absichern.

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