Bayern auf der Couch


Im Auftrag der Versicherungskammer Bayern (VKB www.vkb.de) hat rheingold die Bayern auf die Couch gelegt. Der bayrische Kommunalversicherer wollte zu seinem 100-jährigen Jubiläum wissen, wie die Menschen im Freistaat ticken. Dazu hat rheingold eine Mentalitätsstudie durchgeführt, die auf 144 qualitativ-tiefenpsychologischen Interviews und 1.800 quantitativen Online-Interviews in ganz Bayern basiert. Zentrale Erkenntnis ist, dass die Bayern zwischen stolzer Traditionsliebe und beständigem Innovationsdrang balancieren. Dieser Balanceakt ist Kern des bayerischen Potenzials und Antrieb für seine exponierte Rolle im Chor der Bundesländer. Dabei bewegt sich die bayrische Mentalität in einem Spannungsfeld aus sechs Polen.

1. Anspruch: Bayern als Maß aller Dinge

„Die bayrischen Bürger und Bürgerinnen fühlen sich durchweg als Erste unter Gleichen,“ beschreibt Stephan Grünewald den Anspruch der Bayern als Maß aller Dinge zu gelten. Ein Selbstbewusstsein, das verankert in der bayrischen Mentalität ein Sendungsbewusstsein schafft und sich exemplarisch im Vereinsmotto „Mia san Mia“ des FC Bayern widerspiegelt. Es eint die Bayern, macht sie stolz auf sich selbst und erzeugt ein identitätsstiftendes Zugehörigkeitsgefühl.

Bayern Studie 20212. Autarke Pracht und Fülle

Ihr Selbstbewusstsein schöpfen sie aus ihren besonders starken Ressourcen. Bayern hat eine robuste und wachsende Wirtschaft, ein hohes Bildungsniveau, eine gute Infrastruktur und es beheimatet das Aushängeschild des deutschen Fußballs. Es trumpft zudem mit einer üppigen Natur und einer florierenden Landwirtschaft auf. Dem Freistaat fehlt es an Nichts. Somit werden die Menschen von der Überzeugung getragen, autark in Pracht und Fülle leben zu können. Die Bayern sehen ihr Land als ein Füllhorn materiellen und immateriellen Wohlstands, welches es losgelöst von der Außenwelt überlebensfähig, lebens- und schützenswert macht.

3. Das Leistungsprinzip: Konkurrenz, Besonnenheit und Tatkraft

Jedoch beschränkt sich der bayrische Anspruch nicht auf die vorhandenen Schätze und den geschaffenen Wohlstand. Die Bayern streben nach mehr. Sie sind motiviert vom Ehrgeiz, besser zu sein als die anderen. Auch innerhalb des Freistaats konkurrieren die Regionen untereinander. „Das führt zu einem produktiven Wettbewerb, birgt aber auch die Gefahr, zu überdrehen,“ bewertet Grünewald das Leistungsstreben. Um das zu vermeiden, wird das Konkurrenzverhalten mit Besonnenheit und Tatkraft ausbalanciert. So entsteht eine hohe Produktivität und Innovationsfreude.

4. Strenge Ordnung mit Augenmaß

Eine Bodenständigkeit, die sich auch im Gefühl und dem Wunsch der Menschen, in „Recht und Ordnung“ zu leben, widerspiegelt. Die klaren Regeln dienen der inneren Stabilität und ziehen Grenzen zur globalisierten, aus den Angeln gehobenen Außenwelt. Allerdings bewahren die Bayern bei der Einhaltung ihrer strengen Ordnung und der Sanktionierung von Fehlverhalten Augenmaß. Sie verfallen keinem blinden Formalismus, stattdessen gilt in katholischer Tradition auch mal „Gnade vor Recht“ walten zu lassen.

5. Sinnlich-gesellige Selbstvergewisserung

Im Mentalitätsgeflecht der Bayern sind traditionell verankerte Feste Quellen der sinnlich-geselligen Selbstvergewisserung. Das gemeinsame Feiern schafft Ausgleich, bereitet Freude und ist essentiell für den Erhalt des Gemeinschaftsgeistes. In Brauhäusern oder dem Oktoberfest werden bayrische Traditionen im geselligen und ausschweifenden Miteinander mit Leben gefüllt. Das Tragen prachtvoller Trachten verkörpert Tradition und manifestiert sie im Selbstverständnis. Diese traditionsbewusste Geselligkeit erzeugt bayrische Identität, die insbesondere in Zeiten fortschreitender Individualisierung als Anker der Selbstvergewisserung: „woher komme ich?“ dient. Ehrenamtliches Engagement ist eine der Ausprägungen dieses tiefsitzenden Sinns nach bayrischem Gemeinwohl.

6. Selbstbewusste Innovations- & Integrationskraft

Trotz der ausgeprägten Traditionsliebe, bleiben die Bayern am Puls der Zeit. Denn ihr Mut, an der Spitze des Fortschritts zu stehen, trifft auf ein Fundament aus Selbstbewusstsein. Daraus entsteht eine Innovationsmotivation, Fortschritt in den Alltag zu integrieren und ihn nicht nur zu demonstrieren. Dabei muss Neues stets dem bayrischen Selbstverständnis ‘das Maß aller Dinge zu sein’ gerecht werden. Dementsprechend hoch ist der Anspruch an Innovation und lebensverbessernde Integration.

Fazit

Die bayrische Mentalität schöpft ihre Kraft aus der ausgewogenen Balance zwischen den skizzierten Polen. Während die Innovationskraft der Tradition neuen Schwung gibt, verhindert diese wiederum das Abgleiten in eine gehetzt-überdrehte Wirtschaftsdynamik. Und die eingeforderte strenge Ordnung wird aufgelockert durch die sinnlich-gesellige Gemeinschaft. Es herrschen klare Regeln, bei deren Einhaltung auch mal ein Auge zugedrückt wird.

Allem voran steht der selbstbewusste Anspruch, das Maß aller Dinge zu sein. Als Leitmotiv und verinnerlichtes Selbstverständnis ist er das verbindende Drahtseil zwischen Tradition und Zukunft. Seine Voraussetzungen sind die autarke Pracht und Fülle Bayerns sowie die ausgeprägte Tatkraft der Menschen.

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Stephan Grünewald

Stephan Grünewald


Der Psychologe Stephan Grünewald aus Köln ist Gründer des Markt- und Medienforschungsinstituts rheingold. Grünewald wurde u.a. mit den Büchern „Deutschland auf der Couch“ (2006) und „Die erschöpfte Gesellschaft“ (2013) sowie "Wie tickt Deutschland" (2019) Bestseller-Autor.

Tel.: +49 221-912 777-17
E-Mail: gruenewald@rheingold-online.de

Nanda Farina Dukat

Nanda Farina Dukat


Nanda Dukat ist Diplom-Psychologin und ausgebildete morphologische Intensivberaterin. Als Senior Projektleiterin für rheingold liegen ihre Studienschwerpunkte bei Nachhaltigkeit & Trends, Zielgruppen & Medien sowie Food & Handel.

Tel.: +49 221 912777-84

Thomas Oppel

Thomas Oppel


Thomas Oppel, Diplom-Psychologe, ist Senior Research Consultant und seit 1998 am rheingold institut. Besondere Arbeitsschwerpunkte sind Werbewirkungs- und Mentalitätsforschung.

Tel.: +49 221 912777-16