Mutprobe NS-Zeit: unheimliche Faszination und hohe Sensibilität der Gen Z

Ergebnisse der tiefenpsychologischen rheingold-Studie zur Haltung der Gen Z zum Nationalsozialismus (01/2022) im Auftrag der Arolsen Archives.

Köln, 25. Januar 2022 – Die Generation der 16-25-Jährigen (Gen Z) interessiert sich deutlich mehr für die NS-Zeit als die Generation ihrer Eltern (75 % vs. 66 %) und verbindet die Auseinandersetzung mit akuten gesellschaftlichen Problemen wie Rassismus und Diskriminierung. Die Monstrosität der NS-Verbrechen („True Crime“) löst dabei eine Mischung aus Angst und Faszination aus – die Konfrontation hat psychologisch den Charakter einer Mutprobe, bei der die Gen Z ohne verordnete Moral auch den Motiven der Täter nachspüren will. Das sind zentrale Erkenntnisse einer großen qualitativ-tiefenpsychologischen wie auch quantitativ-repräsentativen Studie „Die Gen Z und die NS-Geschichte: hohe Sensibilität und unheimliche Faszination“ im Auftrag der Arolsen Archives.

Das überraschend hohe Interesse der Gen Z erklärt sich auch durch ihre besondere Lebenssituation in einer komplexen Welt mit einer multioptionalen Bereitstellungskultur. Dagegen ist die NS-Zeit mit ihrer Pflicht zum unbedingten Gehorsam und den völkisch-festgelegten Kategorien ein extremes Gegenbild. Die Auseinandersetzung ist für Jugendliche somit eine Grenzerfahrung und befriedigt den Reiz, sich in tabuisierte Gefilde vorzutasten. Dabei wollen sie sich in die Opferrolle hineinversetzen und die Ungerechtigkeit nachempfinden, aber auch das Böse, die Täterperspektive erkunden (54 %): Wie konnte es soweit kommen? Wie hätte ich mich in der NS-Zeit verhalten? „Die jungen Menschen wollen selbst die Moral der Geschichte erkennen“, sagt Stephan Grünewald, Psychologe und Gründer des rheingold Instituts. „Sie wollen am Diskurs teilhaben und Meinungen hinterfragen dürfen.“

Doch diese Gedankenspiele sind auch beängstigend: Fast ein Drittel der Gen Z fürchtet, dass das Thema eine zu große Wirkung entfalten könnte, sogar eine rauschhafte, verführerische Seite hat. „Ich habe wirklich Angst, dass ich damals auch auf der Seite der Nazis gestanden hätte, nur um besser dazustehen.“

Insgesamt ist auffällig, dass der Bezug zur Jetzt-Zeit eine sehr hohe Relevanz für die Proband*innen hatte. Befreit von dem Gefühl persönlicher Schuld, bauen sich die jungen Leute eine Brücke zum eigenen Alltag und versuchen ihre eigene Lebenswelt in der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit besser zu verstehen – dazu gehören eigene Entwicklungsaufgaben (z.B. „Wie individuell darf ich sein?“) wie auch gesellschaftliche Probleme (z.B. „Fake News“, Rassismus oder Aggressionsbereitschaft).

„Ich nehme in den Ergebnissen der Studie bei den Jugendlichen eine große Offenheit, Neugier und Freiheit im Denken wahr“, erklärt Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. „Heute erlebt diese Generation, dass Demokratien in Gefahr geraten können. Ich finde es sehr gut nachvollziehbar, dass Erinnerung für sie mit dem Blick in ihre eigene Lebenswelt verbunden ist, in der populistische, autoritäre und intolerante Stimmen immer lauter zu hören sind.“

Daraus entsteht eine hohe Bereitschaft, sich mit der NS-Zeit zu beschäftigen – ein zentrales Anliegen des Auftraggebers Arolsen Archives, dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern des Nationalsozialismus und UNESCO-Weltdokumentenerbe. Dabei erwarten die jungen Menschen jedoch einen offenen Diskurs, in dem sie frei über das Thema „NS-Zeit“ diskutieren können, ohne Angst haben zu müssen, etwas Falsches zu sagen. Eine konstruktive und zeitgemäße Auseinandersetzung braucht außerdem den Einblick in konkrete Lebenswirklichkeiten, eine Verschmelzung digitaler und analoger Angebote und leicht verständliche Informationen.

Die gesamte Studie können Sie hier herunterladen.

Zur Studie und ihren Ergebnissen

Zur Stichprobe und Methode der Studie:

Ziel dieser Studie ist es, die Bedeutung der NS-Geschichte für die Generation Z zu analysieren und für sie anschlussfähige, zeitgemäße Zugänge zum Thema Nationalsozialismus zu finden. Für die Erhebung wurden insgesamt 100 Proband*innen, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 bis 25 Jahren und Erwachsene zwischen 40 bis60 Jahren (Vergleichsgruppe), tiefenpsychologisch (Tiefeninterviews und Gruppendiskussionen) befragt. Bei der Auswahl der Proband*innen wurde darauf geachtet, dass soziodemographische Strukturen (Geschlechter, regionale Verteilung, Altersverteilung, Bildung und Beruf) möglichst genau abgebildet werden. Die Tiefen-Explorationen wurden mittels der rheingold-Methode durchgeführt und analysiert. In einer anschließenden quantitativen Erhebung wurden insgesamt 1058 Jugendliche und Erwachsene befragt. Die Studie ist repräsentativ für Alter, Geschlecht und Region in den jeweiligen Altersklassen.

Pressekontakt Arolsen Archives:
Dr. Anke Münster
Tel.: 0173/9787118
E-Mail: anke.muenster@arolsen-archives.org

Pressekontakt rheingold Institut:
Ismene Poulakos
Tel.: 0173/5492191
E-Mail: poulakos@rheingold-online.de

Die Arolsen Archives sind das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Sie bewahren Originaldokumente über KZ-Häftlinge, Deportationen, Zwangsarbeit sowie Aussagen der Überlebenden auf. Das Archiv ist damit eine bedeutende Wissensquelle für die heutige Gesellschaft. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Die historischen Dokumente werden von den Arolsen Archives online gestellt. So haben Menschen in aller Welt Zugang zu ihnen.

rheingold führt pro Jahr ca. 5.000 zweistündige Explorationen zu allen Bereichen des Alltagslebens durch. Wir, rund 45 feste und 55 freie Mitarbeiter, erforschen Märkte, Medien und Kultur. Daraus ist ein einzigartiger Erfahrungsschatz zu den unterschiedlichsten Themen geworden. Von ganz intimen menschlichen Phänomenen bis hin zur Politik und Alltagskultur. rheingold verfügt damit über das umfassendste, stets aktuelle, qualitative Wissen über Verbraucher weltweit.

Die Ergebnisse der Studie im Detail:

Überraschend hohes Interesse der Gen Z an NS-Zeit

Das generelle Interesse der Generation Z für die Zeit des Nationalsozialismus ist überraschend hoch: 75% geben an, sich für die Thematik zu interessieren. Damit ist das Interesse sogar noch höher als das der Elterngeneration (66%), den heute 40- bis 60-Jährigen, die bei der Studie als Vergleichsgruppe befragt wurden. In Tiefeninterviews und Gruppendiskussionen konnte man die enorme Faszination, aber auch die Unheimlichkeit dieses Themas bei der Gen Z spüren. Die Elterngeneration zeigte sich deutlich distanzierter und ließ auch die emotionale Bedrückung weniger an sich heran.

Das hohe Interesse gründet sich in drei Faktoren:

  • Die Gen Z ist befreit von dem Gefühl persönlicher Schuld
  • Die Gen Z sieht in der NS-Zeit ein Gegenbild zu ihrer multioptionalen Bereitstellungskultur
  • Die Gen Z erlebt den Umgang mit dieser extremen Zeit als eine Art psychologische Mutprobe

Gefühl, nicht schuld zu sein, erleichtert den Zugang

Im Vergleich zu früheren Generationen hat die Gen Z die Möglichkeit, unvoreingenommener und befreit von dem Gefühl eigener Schuld auf die NS-Zeit zu blicken. Fast niemand der jungen Generation kennt jemanden persönlich, der die NS-Zeit, den Größenwahn, den Schmerz, aber auch die Schuld wirklich selbst erlebt hat:

„Die heutige Generation kann nichts mehr dafür.“

„Ich kann nichts für damals, aber ich kann etwas für heute.“

Die NS-Zeit ist für die Gen Z ein extremes Gegenbild zur multioptionalen Gegenwartskultur

Für die Generation Z ist die Zeit des Nationalsozialismus ein Abschnitt der Geschichte, der ein extremes Gegenbild zu ihrer Lebenswelt darstellt. Denn die Gen Z lebt – wie fast keine Generation vor ihr – in einer demokratischen Welt der absoluten Überoptionalität. In Sachen Berufsfindung, Unterhaltung oder Konsum stehen ihr alle möglichen Wege offen. Sie sind in ihren Entscheidungen sehr frei und wachsen mit dem Gefühl auf, sich individuell entfalten und fast alles erreichen zu können, wenn sie danach streben. Gleichzeitig müssen sie ihren eigenen Weg in einer komplexen Welt selbst finden und beschreiten. Das ist Segen und Fluch zugleich.

Dieser multioptionalen Bereitstellungs-Kultur steht die entschiedene Dominanz-Kultur der NS-Zeit mit ihren ganz klar festgelegten Kategorien, Vorstellungen und Überzeugungen entgegen. Der Führerkult, die Pflicht zum unbedingten Gehorsam und zum völkischen Denken, dem sich das Individuelle und Diverse beugen musste, macht die NS-Zeit zum ebenso faszinierenden wie schrecklichen Gegenbild. In all ihren Facetten ist sie eine absolute Extrem-Zeit, in der versucht wurde, mit allen Mitteln rigide Vorstellungen und Größenphantasien durchzusetzen.

Die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit hat den Charakter einer Mutprobe

Die erschreckende Andersartigkeit und Monstrosität verleiht der NS-Zeit für die Gen Z die Aura von „True Crime“. Sie wird als anziehend, unheimlich abschreckend, ungeheuerlich und absolut extrem wahrgenommen und löst eine Art Angst-Faszination aus: „Die NS-Zeit war so absurd und grausam, manchmal fällt es mir schwer, diese Vorfälle wirklich zu glauben.“

Die Auseinandersetzung mit dieser absolut heftigen Zeit hat daher für die jungen Menschen oft den Charakter einer Mutprobe. Die Suche nach der Grenzerfahrung, die Neugier, sich in extreme und tabuisierte Gefilde vorzutasten und einen Einblick in diese ungeheuerliche Zeit zu erhalten, ist für viele junge Menschen reizvoll.

Fast ein Drittel der Generation Z bekennt aber, dass diese reizvolle Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus auch Angst macht. Man fürchtet, dass das Thema eine große Wirkung entfalten könnte und dass man nach intensiver Beschäftigung nicht mehr der gleiche Mensch ist. Frei nach Nietzsche: „Wenn du zu lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“

Die Angst von der Gradlinigkeit und Machtentfaltung der NS-Zeit berauscht zu werden oder sich von den Erlösungsvorstellungen dieser Zeit verführen zu lassen, klingt bei einigen an.

„Ich habe wirklich Angst, dass ich damals auch auf der Seite der Nazis gestanden hätte, nur um besser dazustehen.“

Während sich ein Großteil der Gen Z nach der Auseinandersetzung entschieden von der NS-Zeit distanziert, gibt es Anzeichen dafür, dass ein kleiner Teil der Gen Z in den Überzeugungen der Nazi-Zeit eine Lösung bzw. Antwort findet und mit rechtem Gedankengut sympathisiert – ohne sich in der Studie offensiv dazu zu bekennen. Sie fühlen sich von den vielen Optionen und komplexen Herausforderungen überfordert und sehnen sich nach einfachen und klaren Antworten. Die NS-Zeit erscheint ihnen als Zeit klarer, eindeutiger Festlegungen und berauschender Dominanz und Machtentfaltung.

Die NS-Zeit hilft der Gen Z dabei, zentrale Lebensfragen ihrer aktuellen Lebenswelt besser zu verstehen

Junge Menschen machen die Erfahrung, dass die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit nicht nur Vergangenheitsbewältigung bedeutet, sondern auch ein besseres Verständnis ihrer eigenen Gegenwart und Lebenswelt. Denn gerade im Alter zwischen 16 und 25 Jahren stehen sie vor existentiellen Lebensfragen, die ihre zukünftige Entwicklung und ihre eigene Identität betreffen: Wo gehöre ich hin? Wie individuell darf ich sein? Wie sehr kann ich bestimmen, aber auch bestimmt werden? Was muss ich alles können und wissen, damit mir ein gutes Leben gelingt? Wovon kann und darf ich träumen? In welchem System lebe ich und wie verändert sich dieses System?
Gerade das Extreme der NS-Zeit zeigt der Gen Z die Konsequenzen, die mit diesen Fragen einhergehen können.

Die NS-Zeit sensibilisiert die Gen Z für gesellschaftliche Probleme – mit besonderem Augenmerk auf Rassismus

Diese Lebensfragen bieten der Gen Z einen sehr relevanten persönlichen Zugang zum Thema NS. Gleichzeitig sensibilisieren sie junge Leute für wichtige akute Probleme in der Gesellschaft, besonders für Rassismus, aber auch für Ausgrenzung, Spaltung und Radikalisierung. 48% der Generation Z sehen Bezüge aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen zur NS-Geschichte. Bei der Beantwortung der Frage, welche die wichtigsten Probleme der heutigen Gesellschaft sind, wird das Thema Rassismus als sehr relevant eingeschätzt – hier zeigt sich bzgl. aller Antwortoptionen der größte Unterschied zur Vergleichsgruppe (39% Gen Z zu 14 % Vergleichsgruppe). Für junge Menschen mit Migrationshintergrund ist das Thema Rassismus noch relevanter (46 %).
60 % der Gen Z stimmt der Aussage zu, dass jede*r von uns leichte rassistische Züge hat und sich daher mal mit dieser Thematik beschäftigen sollte.

 

Die Empfänglichkeit für rechte Ideologien, Fake News, das Aufkommen von Verschwörungs-Theorien, Antisemitismus, und die steigende Aggressionsbereitschaft sind weitere aktuelle Themen, die mit der NS-Zeit verbunden werden:

„Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass mir die Mechanismen der NS-Zeit keine Angst machen würden. Wenn sich die Geschichte wiederholt, würde es mich treffen.“

„Den Leuten damals wurde ja eingebläut, dass die Juden die Verursacher allen Übels sind. Totale Propaganda, die haben das geglaubt und die Juden fertig gemacht!“

„Ich gucke jeden Tag kurze Videos auf Tik Tok, in denen beispielsweise Afroamerikaner von ihren Erfahrungen mit Rassismus erzählen. Das löst in mir den Wunsch aus, mehr zu erfahren und zu verstehen, wie es dazu kommen kann, dass einer einzelnen Person sowas Schlimmes widerfahren kann.“

Die Gen Z erkennt einen starken Zusammenhang zwischen der heutigen Fake News Problematik und der damaligen NS-Propaganda – Medien und Informationen werden teilweise sehr kritisch hinterfragt. Es zeigt sich, dass sich die Gen Z sensibel und intensiv mit den aktuellen Problemen auseinandersetzt.

„Die Anfänge des Nationalsozialismus zeigen, wie sich Veränderungen einschleichen können und wie gefährlich Manipulationen sind.“

Auch Befragte mit Migrationshintergrund finden über die beschriebenen Lebensfragen den Zugang zur NS-Zeit, nehmen jedoch eine andere Perspektive ein. Oft direkt mit Themen wie Alltagsrassismus konfrontiert, stufen sie dies als Parallele zur Vergangenheit ein. Dabei sehen sie sich eher auf einer möglichen Opferseite. Sie erkennen Deutschland als ihre Heimat an, fragen sich aber, wie individuell sie sein dürfen oder inwieweit sie sich anpassen müssen.

Barrieren und Hemmnisse für die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit

Die Studie konnte neben der Faszination auch die zentralen Barrieren und Hemmnisse für die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit ermitteln. Neben der Angst, von Gefühlen angesichts der Ungeheuerlichkeit der Ereignisse überwältigt zu werden, erkennen viele häufig nicht den Bezug zur eigenen Lebenswelt. Vor allem, wenn die schulische Vermittlung zu sehr auf Faktenwissen setzt, finden junge Leute keine Brücke zum eigenen Alltag und erleben das Thema dann als abstrakt, überkomplex und langweilig.

Oft vermitteln festgelegte Meinungen und eine verordnete Moral den Eindruck eines abgeschlossenen Diskurses, der nicht mehr hinterfragt werden kann. „Beim Unterricht über die NS-Zeit hatte ich immer das Gefühl: Vorsicht! Da kommt keine Unterhaltung oder Diskussion auf. Da darf man keine eigene Meinung haben. Es gibt einen Konsens, wie man es zu finden und zu lernen hat!“

47% haben den Eindruck, dass man viele Sachen zu dem Thema nicht sagen darf, ohne in eine Schublade gesteckt zu werden. 44% wünschen sich daher ein Umfeld, in dem sie frei über das Thema NS-Zeit diskutieren können, ohne Angst davor haben zu müssen, etwas Falsches zu sagen. Sie wollen selbst über die Auseinandersetzung mit dem Thema ihre eigenen Lehren ziehen und die Moral von der Geschichte erkennen.

54% finden, das Thema NS-Geschichte wird oft nur von der Opferseite beleuchtet und wünschen sich einen Perspektivwechsel zwischen Opfern und Tätern. Sie wollen sich in die Opferrolle hineinversetzen und die Ungerechtigkeit nachempfinden, aber auch der Täterrolle nachspüren: Wie kam es dazu, wie wird man böse? Könnte man selbst auch zu so grausamen Taten fähig sein?

„Ich will auch die Beweggründe der ganzen SS-Offiziere, KZ-Leiter oder der Menschen, die ihre jüdischen Nachbarn verraten haben, sehen. Wenn die Gründe transparent sind, würde ich bestimmt feststellen, dass auch mir sowas passieren kann.“

Empfehlungen für die Vermittlung der NS-Zeit

Die Generation Z will eine konstruktive und zeitgemäße Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Reine Theorie und übergeordnete Sachverhalte reichen nicht. Sie präferiert den Einblick in konkrete Lebenswirklichkeiten und echte Beispiele. Ein offener Austausch und eine Diskussionskultur ohne moralischen Zwang werden deutlich eingefordert. Es braucht Wahlmöglichkeiten, um interessante Themen vertiefen zu können. Bezüge zur eigenen Lebenswelt, aber auch regionale und globale Bezüge an ganz konkreten Beispielen erleichtern den Zugang. Wichtig für die Auseinandersetzung ist auch die biografische Beschäftigung mit Identifikationsfiguren wie Anne Frank oder Oskar Schindler.

Idealiter will die Gen Z selbst recherchieren und auf Entdeckungstour gehen. Das wird erleichtert durch eine Verschmelzung von digitalen und analogen Angeboten, die intelligent miteinander verknüpft sind. Favorisierte Vermittlungsformen aus Sicht der Generation Z sind leicht verständliche Informationen in Podcasts, Videos oder auch Twitch.tv und spannende Geschichten in Filmen oder Serien. Sie stellen sich Geschichten von Zeitzeugen etwa in Hologrammen oder Chats vor und wünschen sich Optionen zur Auseinandersetzung mit Original-Quellen und -Dokumenten.

Je besser dieser Erlebens- und Lern-Prozess für die Generation Z gelingt, desto besser kann man sie vor den Verführungen der sehr ‚einfachen‘ Antworten schützen und junge Menschen dabei unterstützen, in einer komplexen Welt den eigenen Weg zu finden und zu gestalten.

„Die Geschichte macht uns sensibel und bringt uns dazu genau hinzuschauen.“

„Ich habe immer versucht, besser und schöner zu sein als meine Mitschülerinnen. Ich habe sie runtergemacht, um selber besser dazustehen. Durch diese Zeit im Geschichtsunterricht habe ich verstanden, dass es eigentlich keine Rechtfertigung dafür gibt, andere Menschen schlechter zu behandeln.“

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Judith Behmer

Judith Behmer


Judith Behmer ist Diplom-Psychologin und Mitglied der Geschäftsführung beim rheingold institut für tiefenpsychologische Markt- und Medienforschung – hier forscht sie in unterschiedlichen Branchen (u. a. Medien, Handel, Finanzdienstleistungen). Besonders am Herzen liegt ihr der kulturpsychologische Aspekt ihrer Forschungsprojekte.

Tel.: +49 221-912 777-64
E-Mail: behmer@rheingold-online.de

rheingold ist Institut für qualitative Markt- und Medienanalyse.