Trendforschung: Stephan Grünewald im Interview mit DIE ZEIT


Kaum ein Gegenstand wie die Plastiktüte wurde gesellschaftlich schneller geächtet. Wie konnte das geschehen? Ein Interview mit dem Trendforscher Stephan Grünewald

DIE ZEIT: Was ist schlimmer: an der Supermarktkasse eine Packung Zigaretten zu kaufen oder eine Plastiktüte?

Stephan Grünewald: Im Fall der Zigaretten finden Sie jedenfalls mehr Gleichgesinnte. Außerdem haben Raucher bereits einen langen Prozess der Tabuisierung hinter sich. Bei Plastiktüten verlief alles weit eruptiver.

ZEIT: Warum ging das bei der Tüte so schnell?

Grünewald: Solche kollektiven Verhaltensänderungen setzen Bilder voraus, die ikonografische Wirkung haben und deswegen einen Bewusstseinswandel hervorrufen. Bei der Rinderseuche BSE waren das die torkelnden und sterbenden Kühe, bei den Tüten die verendenden Fische und Seevögel. Als ich kürzlich meinen Urlaub auf Kreta verbrachte, sah ich im Meer Hunderttausende Plastiktüten herumschwappen. In diesem Moment habe ich gespürt, dass da etwas Bedeutendes im Gange ist. …

Quelle: DIE ZEIT

Der rheingold Experte

Stephan Grünewald


Der Psychologe Stephan Grünewald (57) aus Köln ist Gründer des Markt- und Medienforschungsinstituts rheingold. Er führt Marktforschung für Marken und Konzerne mittels 7.000 Tiefeninterviews im Jahr durch, gilt als Shootingstar der Branche. Grünewald wurde u.a. mit den Büchern „Deutschland auf der Couch“ (2006) und „Die erschöpfte Gesellschaft“ (2013) Bestseller-Autor.

Tel.: +49 221-912 777-17
E-Mail: gruenewald@rheingold-online.de

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